FAQ Schutzziel 3: Funktionserhalt

Der Erhalt von elektrischen Funktionen sicherheitsrelevanter Anlagen garantiert im Brandfall die Verfügbarkeit der Sicherheitseinrichtungen und muss in jedem Fall gewährleistet sein. Alle Fragen rund um das dritte Schutzziel beantworten hier.m.

Funktionserhaltsysteme

Dürfen Kabel und Leitungen mit Funktionserhalt zusammen mit Leitungen der allgemeinen Stromversorgung in einer Kabelrinne verlegt werden? Ist eine Mischbelegung zulässig?

Eine Mischbelegung ist aus brandschutztechnischer Sicht möglich. Allerdings dürfen Leitungen der allgemeinen Stromversorgung und Kabel und Leitungen für den Funktionserhalt nicht unmittelbar über- bzw. aufeinander verlegt werden. Bei einem Brand kann es zu gegenseitigen negativen Beeinflussungen der Kabel und Leitungen kommen, so dass der Funktionserhalt der Kabel u. U.  nicht sicher erreicht wird. Wir empfehlen eine klare Trennung von Leitungen mit Funktionserhalt von Leitungen der allgemeinen Stromversorgung durch die Montage von Trennstegen.

Dabei sind alle im entsprechenden Prüfdokument genannten Installationsparameter einzuhalten.

 

Warum müssen Kabelanlagen für den Funktionserhalt, wie z.B. Kabelrinnen, als oberste Installation ausgeführt werden?

Durch die Positionierung der Kabelanlage als oberste Installation wird sichergestellt, dass eine negative Beeinflussung durch umgebende Bauteile im Brandfall verhindert wird. Die Kabelrinnen können nicht durch Trassen für die allgemeine Stromversorgung, Rohre oder Lüftungsleitungen zerstört werden, die mechanisch versagen und sich möglicherweise verformen oder herabfallen.

Ist es möglich bzw. zulässig, Steigeleitern für den Funktionserhalt freistehend auszuführen?

Die freistehende Montage von Steigeleitern für den Funktionserhalt ist aus brandschutztechnischer Sicht nicht möglich bzw. zulässig. Steigeleitern werden nicht speziell für den Funktionserhalt geprüft, sondern die Prüfergebnisse von an der Decke verlegten Kabeln mit Schellen werden gemäß Prüfnorm DIN 4102 Teil 12 auf die vertikale Verlegung mit Steigeleitern übertragen. Die Kabel werden somit wie bei den Prüfungen unter der Decke auch bei der Installation auf Steigeleitern an der Wand direkt vor dem Gebäudeteil (Decke bzw. Wand) installiert. Diese Montagesituation ist nicht gegeben, wenn die Kabel an freistehenden Steigeleitern montiert sind. Die Umgebungsbedingungen der Kabel sind nicht mehr vergleichbar mit den Prüfparametern bei der Kabelverlegung mit Schellen unter der Decke. Daher existiert keine Grundlage für eine Bewertung von freistehenden Steigeleitern für den Funktionserhalt.

Ist es möglich bzw. zulässig, Steigeleitern für den Funktionserhalt an leichten Trennwänden zu montieren?

Die Montage vor einer leichten Trennwand ist prinzipiell möglich, sofern für die Wand eine entsprechende Brandschutzklassifizierung vorliegt. Allerdings ist eine direkte Befestigung der Steigeleiter an der Trennwand nicht möglich. Der Aufbau der Wand ermöglicht es nicht, die Steigeleitern so zu befestigen, wie es laut den Vorgaben der Nachweise erforderlich ist.

Es ist jedoch möglich, Steigeleitern für den Funktionserhalt direkt vor einer leichten Trennwand zu realisieren, wenn bestimmte Installationsaspekte berücksichtigt werden. Besonderes Augenmerk erfordert dabei die Befestigung der Steigeleitern auf dem Boden und an der Decke. Zusätzlich ist eine spezielle Lagefixierung der Steigeleiter an den Ständern der leichten Trennwand notwendig. Für diese Art der Montage müssen die jeweiligen Ausführungsmöglichkeiten individuell betrachtet werden. Basierend auf bereits realisierten Montagen von Steigeleitern vor leichten Trennwänden kann Sie OBO Bettermann mit entsprechenden Vorschlägen zu einer möglichen Montageausführung unterstützen.

Dürfen Kabel und Leitung für den Funktionserhalt in Stahlpanzerrohren verlegt werden?

Eine Verlegung von Kabeln und Leitungen für den Funktionserhalt in Stahlpanzerrohren ist zulässig, sofern als Nachweis für diese Verlegevariante ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP) vorliegt. Dieses ist in der Regel auf den Namen des jeweiligen Kabelherstellers ausgestellt.

Bezüglich der verwendbaren Rohre wird in den Prüfzeugnissen auf die Norm EN 61386 Teil 1 verwiesen. Da die Rohre von OBO Bettermann der genannten Norm entsprechen, ist eine Verwendung der Rohre für diese Verlegevariante grundsätzlich möglich bzw. zulässig.

Hinweis: Die Kabelverlegung in Stahlpanzerrohren ist nur horizontal zulässig.

Dürfen mehrere Leitungen mit Funktionserhalt in einer Schelle zusammen verlegt werden?

Sofern in den allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnissen (abP) der Kabelhersteller Angaben zur Bündelung von Kabeln enthalten sind, ist das Bündeln von mehreren Leitungen in einer Schelle möglich bzw. zulässig. Informationen bezüglich der maximalen Kabelanzahl pro Schelle und zum Abstand der Schellen sind dem jeweiligen allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnis zu entnehmen.

Wie und mit welchen Kabeln kann der elektrische Funktionserhalt im Brandfall realisiert werden?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten den elektrischen Funktionserhalt zu realisieren.

Eine Möglichkeit ist die Verlegung von Kabeln ohne jegliche Brandschutzanforderung in sogenannten „Brandschutzkanälen“ oder vergleichbaren Einhausungen aus entsprechenden Brandschutzplatten. Diese schützen die Kabel im Brandfall vor einer direkten Beflammung und sichern somit die Funktion der Kabel.

Die andere Möglichkeit ist die Verwendung von „Kabeln mit integriertem Funktionserhalt“. Diese Kabel sind konstruktiv speziell für direkte Beflammung im Brandfall ausgelegt. Das verbrennende Isoliermaterial der Kabel bildet im Brandfall eine schützende Ascheschicht. Auf diese Weise wird erreicht, dass sich die Adern untereinander nicht berühren und auch kein Kontakt zum Installationsmaterial besteht. Ein möglicher Kurzschluss wird somit sicher verhindert. Diese Kabel dürfen nur zusammen mit entsprechend geprüften Verlegesystemen wie beispielsweise mit Schellen, auf Kabelrinnen, in Sammelhalterungen oder auch senkrecht mit Steigeleitern verlegt werden.

Dürfen Kabelrinnen für den Funktionserhalt mit Kabelrinnen für die allgemeine Stromversorgung zusammen an einem Hängestiel befestigt werden?

Grundsätzlich ist in Bezug auf den Funktionserhalt eine negative Beeinflussung durch umgebende Bauteile im Brandfall nicht zulässig. Dieses kann nicht ausgeschlossen werden, wenn die Kabelrinnen gemeinsam an einem Hängestiel montiert sind. In Kabelrinnen für die allgemeine Stromversorgung werden in der Regel deutlich mehr Kabel eingelegt, als im Vergleich zu Kabelrinnen für den Funktionserhalt. Dadurch stellt sich aus mechanischer Sicht eine nicht zulässige Belastung des gemeinsamen Tragsystems ein. Daher sollten Kabelrinnen für den Funktionserhalt und Kabelrinnen für die allgemeine Stromversorgung immer an getrennten Hängestielen befestigt werden.

Dürfen Kabelrinnen für den Funktionserhalt auf einer auf dem Boden aufgeständerten Tragekonstruktion montiert werden?

Für Tragekonstruktionen, die auf dem Boden aufgeständert sind,  liegen keinerlei Prüfnachweise vor. Somit ist eine solche Montagevariante in Bezug auf den Funktionserhalt nicht zulässig.

Aufgeständerte Tragekonstruktionen werden grundsätzlich auf mechanischen Druck beansprucht, was speziell für Stahlprodukte im Brandfall als äußerst kritisch anzusehen ist. Eine Bewertung zu solchen Beanspruchungen im Brandfall ist nahezu nicht möglich.

Um eventuell aufgeständerte Tragekonstruktion für den Funktionserhalt zu realisieren, ist eine individuelle Betrachtung der jeweiligen Ausführungsmöglichkeiten erforderlich. Dabei müssen speziell die konstruktive Ausführung und die Höhe der Aufständerung in Kombination mit allen anderen Montageparametern betrachtet werden.

Welche Anforderungen bestehen an die Befestigung von Trassen für den Funktionserhalt?

Grundsätzlich muss für alle Befestigungsmaterialien (Dübel) ein entsprechender Brandschutznachweis in Bezug auf den jeweiligen Befestigungsuntergrund (Beton, Mauerwerk) vorliegen. In den jeweiligen Nachweisen sind Informationen über die maximal zulässige Belastung im Brandfall und zur Montage enthalten.

Ist eine zusätzlich Sicherung der Ausleger mit einer Gewindestange immer erforderlich?

Bei den Normtragekonstruktionen zum Funktionserhalt (Kabelverlegung auf Kabelrinnen und Kabelleitern) ist immer eine Sicherung der Ausleger mit einer Gewindestange erforderlich. Wie diese Sicherung genau ausgeführt werden muss, ist dem jeweiligen Nachweis zu dem Verlegesystem zu entnehmen.

Bei den sogenannten „kabelspezifischen Tragekonstruktionen“ ist es unterschiedlich. Es gibt Varianten, bei denen keine zusätzliche Gewindestangensicherung der Ausleger erforderlich ist. Es gibt aber auch Verlegevarianten, bei denen diese erforderlich ist. Ob eine Gewindestangensicherung und in welcher Ausführung erforderlich ist, muss den jeweiligen Nachweisen entnommen werden.

Was ist der Unterschied zwischen Normtragkonstruktionen und kabelspezifischen Tragkonstruktionen für den Funktionserhalt?

Folgende Normtragkonstruktionen sind in der Prüfnorm DIN 4102 Teil 12 definiert bzw. beschrieben:

  • Kabelverlegung auf Kabelrinnen
  • Kabelverlegung auf Kabelleitern
  • Kabelverlegung mit Einzelschellen
  • Kabelverlegung mit Bügelschellen und Langwannen an Profilschienen

Sinn der Normtragekonstruktionen ist eine Übertragbarkeit von Prüfergebnissen der Kabel. Dies führt dazu, dass in nahezu allen allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnissen (abP) der Kabelhersteller Ergebnisse für Normtragekonstruktionen enthalten sind.

Als Nachweis in Bezug auf den Funktionserhalt gibt es jeweils „Gutachterliche Stellungnahmen“. Diese sind als Verwendbarkeitsnachweis im Sinne der Bauvorschriften alleine aber nicht ausreichend. Zusätzlich ist immer ein abP des Kabelherstellers erforderlich.

Alle geprüften Verlegevarianten, die nicht den Definitionen der DIN 4102 Teil 12 zur Normtragekonstruktion entsprechen, werden als sogenannte „kabelspezifische Tragekonstruktion“ bezeichnet. Eine Übertragung von Prüfergebnissen ist bei diesen Systemen nicht möglich. Als Nachweis ist immer ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP) erforderlich. In diesem sind neben der konstruktiven Beschreibung des Systems auch alle Montageparameter aufgeführt sowie die zusammen mit dem System geprüften und klassifizierten Kabel.