FAQ Schutzziel 2: Fluchtweginstallation

Die Rettung von Menschenleben hat oberste Priorität. Im Ernstfall kommt es darauf an: Flucht- und Rettungswege müssen benutzbar sein. Das gilt sowohl für die flüchtenden Menschen als auch für die Einsatzkräfte der Feuerwehr. Wir beantworten alle Fragen rund um das zweite Schutzziel.

Fluchtweginstallation

Was bedeutet Fluchtweginstallation?

Flucht- und Rettungswege sind die zentralen Lebensadern von Gebäuden und müssen im Brandfall benutzbar bleiben, um das Gebäude sicher verlassen zu können und für die Feuerwehren als Angriffsweg zu dienen. Kabel dürfen nur durch Flucht- und Rettungswege verlegt werden, wenn sie keine zusätzliche Brandlast darstellen. Kabelisolierungen sind jedoch in der Regel brennbar und bergen eine hohe Rauchentwicklungsgefahr. Sie müssen daher mit brandlastkapselnden Maßnahmen so installiert werden, dass Flucht- und Rettungswege für einen gewissen Zeitraum frei von Feuer und Rauch bleiben. 

Arten von Fluchtweginstallationen:

  • Installation unter Putz mit > 15mm Putzüberdeckung
  • Installation unterhalb des Estrichs 
  • Installation oberhalb abgehängter Brandschutzdecken 
  • Installation in Brandschutzkanälen 
  • Installation in Unterflurkanälen
     

Zwischendeckenmontage

Kann ich Kunststoffschellen für die Leitungsbefestigung in Fluchtwegen nutzen?

Nein. Im Zwischendeckenbereich zwischen der Geschossdecke und brandschutzklassifizierten Unterdecke müssen für die Verlegung von Kabeltragsystemen zwingend „nicht brennbare Materialien“ (d.h. Metall) verwendet werden. Tragsysteme wie auch Befestigungssysteme müssen i.d.R. brandschutzklassifizierte Nachweise führen, dass sie im Brandfall eine mechanische Standsicherheit gewährleisten. Brandschutzdecken dürfen im Brandfall nicht durch verformte Tragkonstruktionen oder herabfallende Teile beeinträchtigt werden.

Wie befestige ich Rinnen/Schellen im Zwischendeckenbereich?

Kabeltrag- und Schellensystemen im Zwischendeckenbereich müssen mit Befestigungsmitteln montiert werden, die brandschutztechnisch geprüft sind. Die eingesetzten Dübel müssen für den Untergrund und für die Anwendung geeignet und dimensioniert sein.
Beispiel: Für den Sammelhalter Grip M an einer Betondecke mit einer Festigkeitsklasse C20/C25 ist der Nagelanker Typ N 6-5-10/49 geeignet.
 

Worauf muss ich bei der Zwischendeckenmontage achten?

Wenn Leitungsanlagen im Zwischendeckenbereich eines Flucht- und Rettungswegs verlegt werden, muss sichergestellt sein, dass die für den Brandschutz klassifizierte Unterdecke im Brandfall für einen vorgegebenen Zeitraum nicht beschädigt wird. Dadurch ist gewährleistet, dass die Unterdecke die Brandlast im vorgegebenen Zeitraum kapselt und Flucht- und Rettungswege frei von Feuer und Rauch bleiben.

Anforderungen an die Leitungsanlage:

  • Der Nachweis der mechanischen Standsicherheit im Brandfall muss vorhanden sein.
  • Der Nachweis der im Brandfall einwirkenden Verformungen auf das Tragsystem muss vorhanden sein.
  • Der vorgegebene Installationsabstand zwischen Tragsystem und Unterdeckenkonstruktion muss eingehalten werden (in den OBO-Dokumentationen als Abstand „a“ bezeichnet).

Brandschutzkanäle

Darf ich Funktionserhaltkabel im Brandschutzkanal PYROLINE® Rapid Metall verlegen?

Der Brandschutzkanal PYROLINE® Rapid ist mit einer intumeszierenden Innenbeschichtung ausgestattet, die im Brandfall aufschäumt und den Brandherd eines Kabelbrands eindämmt. Die Brandlast wird gekapselt und die Brandfortleitung verhindert. 
Wenn Leitungen mit integriertem Funktionserhalt durch Flucht- und Rettungswege verlegt werden, muss sowohl der Funktionserhalt der Leitung als auch die Brandlastkapselung gewährleistet sein. Der Funktionserhalt der Leitung kann jedoch durch das aufschäumende Material im Metallkanal negativ beeinflusst werden.  
Für den genannten Anwendungsfall empfehlen wir daher unseren Brandschutzkanal der Serie PYROLINE® Con D/S aus Glasfaserleichtbeton. 
 

Wie befestige ich den Brandschutzkanal PYROLINE® Rapid an der Wand?

Der Brandschutzkanal PYROLINE® Rapid kann direkt an Wänden und Decken oder auf einer Tragkonstruktion montiert werden. Bei der direkten Befestigung an Wand oder Decke wird die Kanalwanne im Abstand ≤ 400 mm mit jeweils brandschutztechnisch geprüften Dübeln ≥ Ø 6 mm befestigt. Die Dübel werden in der Kanalstrecke versetzt angeordnet. Bei der abgehängten Verlegart wird die Kanalwanne mit der Öffnung nach oben im Abstand ≤ 1 m auf die Tragkonstruktion gelegt. Detaillierte Installationsparameter sind in der Systemanleitung „Brandschutzkanal PYROLINE® Rapid“ aufgeführt.
 

Kann ich alternativ zum Brandschutzkanal auch eine Kabelbandage einsetzen?

Bedingt. Kabel, die in Flucht- und Rettungswegen verlegt werden, und nicht der direkten Versorgung dieser Wege dienen, müssen brandlastgekapselt gemäß DIN 4102 Teil 11 installiert werden. Die Kabelbandage PYROWRAP® von OBO ist nicht nach DIN 4102 Teil 11 geprüft, da sie die Brandlast bei einem Leitungsbrand nicht kapselt, sondern lediglich die Brandfortleitung aktiv hindert. Dadurch ist die Brandgefahr weitestgehend eingedämmt, allerdings nicht zu 100 % im Fluchtwegbereich ausgeschlossen. Der Einsatz der Kabelbandage in einem notwendigen Flucht- und Rettungsweg ist daher nur nach Abstimmung mit der unteren Bauaufsichtsbehörde möglich. 
 

Wie kürze ich den PYROLINE® Rapid Metallkanal?

Der Brandschutzkanal PYROLINE® Rapid aus Metall mit intumeszierender Innenbeschichtung kann mit einem herkömmlichen Trennschleifer, einer Bandsäge oder auch einer Handbügelsäge gekürzt werden.

Was bedeuten die I 30-/ I 90- und E 30/E 90–Klassifizierungen (bei Brandschutzkanälen)?

Die Bauteilkurzzeichen/Kennbuchstaben sind in den jeweiligen nationalen sowie internationalen Normen festgelegt, um schnell erkennen zu können, für welchen Einsatzbereich ein Bauteil klassifiziert ist. Die anschließende Zahl gibt die Feuerwiederstandfähigkeit in Minuten an. 

„I“ bedeutet: Brandlastkapselung nach DIN 4102 Teil 11 
„E“ bedeutet: Funktionserhalt nach DIN 4102 Teil 12

Die „I“-Klassifizierung  bestätigt die Fähigkeit des Kanals zum Schutz von Flucht- und Rettungswegen vor den Auswirkungen eines Kabelbrands innerhalb des Kanals. Der Kanal schützt von „innen nach außen“. Als Eselsbrücke können Sie sich „I“ wie „intern“ merken.
Die „E“-Klassifizierung bestätigt die Fähigkeit des Kanals zum  Schutz der Leitungen vor einem Brand, der außerhalb des Kanals im Brandabschnitt stattfindet. Der Kanal schützt von „außen nach innen“. Als Eselsbrücke können Sie sich „E“ wie „extern“ merken.   
 

Gibt es Formteile für den Brandschutzkanal PYROLINE® Con D?

Es werden keine vorgefertigten Formteile für das Brandschutzkanalsystem PYROLINE® Con D angeboten. Allerdings ist der Kanal aus Glasfaserleichtbeton und ein wesentlicher Vorteil des PYROLINE® Con D ist die Möglichkeit, individuelle Formteile aus den Kanalwannen erstellen zu können. Der Kanal kann somit sehr flexibel den örtlichen Baugegebenheiten angepasst werden. Detaillierte Informationen zur Installation des Brandschutzkanals einschließlich der Formteilerstellung finden Sie in der Montageanleitung „Brandschutzkanal PYROLINE® Con“.